Mundartarchiv

Das Zentrale Württembergische Mundartarchiv
im Neuen Kloster von Bad Schussenried im Landkreis Biberach an der Riß/Oberschwaben wurde am 25. Juni 1999 mit großer Resonanz in der Öffentlichkeit eröffnet. Mit dem 1986 geschaffenen Internationalen Mundartarchiv “Ludwig Soumagne” in Dormagen-Zons, Landkreis Neuss am Rhein (Nordrhein-Westfalen), stellt es die zweite Einrichtung dieser Art in Deutschland dar.

Auslöser für beide ist der Umgang mit der Neuen deutschsprachigen Mundartdichtung seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. Das Neue, das hier für die Literatur und den Stellenwert in der Gesellschaft geleistet wurde, sollte dokumentiert und fortgeschrieben werden; die einzelnen Autoren und Richtungen erfaßt werden.

So werden hier Zusammenhänge zwischen dem so genannten Hochdeutschen oder der Standardsprache mit den Dialekten und umgekehrt deutlich. Ja, mit den Kenntnissen der Dialekte oder Mundarten werden gewisse Zusammenhänge im Hochdeutschen erst erklärbar. Im Neuen Kloster von Bad Schussenried finden sich zahlreiche Beispiele aus allen deutschen Dialekten in Form von selbständigen Veröffentlichungen, als Wörterbücher oder vergleichende Betrachtungen. Hinzu kommen Zeitschriften, Plakate, Programme. Für diejenigen, die sich nicht ausschließlich oder hauptsächlich mit Mundart und Mundartdichtung beschäftigen wollen, stellt die Begegnung mit dieser “zweiten” deutschen Literatur jedenfalls eine Horizonterweiterung dar.

Schon Leibniz plädierte 1680 dafür, beide, Dialekt und Hochsprache, gleich wichtig zu nehmen. Und Goethe (na klar!), der bekanntermaßen eine positive Einstellung zum Dialekt hatte, hielt ihn, den Dialekt, für das “Element, aus dem die Seele ihren Atem schöpft”.